Stufe 6 1763-2582Km Rumänien, Sucevita, Ceahlau Gebirge, Donaudelta Teil 1

 

Früh brachen wir zur ukrainisch-rumänischen Grenze auf:  – . Die nützlichen Auskunftsseiten des Finanzministeriums der Ukraine und des rumänischen Zolls sagten beide voraus, dass dies die einzige Grenze zwischen beiden Ländern sein sollte, an welcher mit längeren Wartezeiten zu rechnen sei. Zudem sollte es bis zu 37 Grad warm werden – genug Gründe also, möglichst früh da zu sein. Die Abfertigung auf der ukrainischen Seite ging wie gewohnt strukturiert und einigermaßen schnell vonstatten. Die Rumänen jedoch bewachen ja eine EU-Aussengrenze – da muss man gründlich sein. Nach ca. zehn Minuten entdeckte ein freundlicher Ukrainer durch die offene Seitentür Leo schlafend auf dem Rücksitz. Er meinte, angesichts der Hitze, sollten wir uns mit dem Baby nicht in die Schlange stellen und warten, sondern eine andere Sonderspur nutzen. Er zeigte uns den richtgen Ansprechparter ganz vorn am Grenzerhäuschen. Siehe da, ruck zuck, uhren einige Autos zur Seite, wir durften nach ganz vorn zu unserem exklusiven Abfertigungshäuschen vorfahren. So waren wir in einer knappen Stunde durch beide Kontrollen durch – und in Rumänien.

TIPP: Fragen kostet nichts. Wenn man mit kleinen Kindern an der Grenze wartet, wird man offenbar sehr gerne vorgelassen, wenn man sich nur entsprechend artikuliert.

Erstes Ziel in Rumänien war eines der berühmten Moldauklöster: Sucevita (sprich Sutcheviza). Auch dieses gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe und nein, wir sind nicht auf Promo-Tour für die UNESCO. Die Aneinaderreihung von Weltkulturerbestätten ist reiner Zufall! Die von einer Festung umgebene Kirche ist wirklich extrem beeindruckend. Die Fürsten in der Bukowina liessen diese außen mit Fresken bemalen, welche Bibelstellen und historische Meilensteine zeigen. Wie eine Art Comic sollte dies dem einfachen, des Lesens nicht mächtigen Volk die Bibel und bestimmte Geschehnisse näher brigen. Ich persönlich muss zugeben, keine einzige Bibelstelle erkannt zu haben, ausser der Kreuzigung natürlich. Auch innen ist diese orthodoxe Kirche wirklich umwerfend. Sofort ist man gefesselt von der Stimmung und der Bildgewalt der ziemlich blutrünstigen Fresken. Die Gläubigen sind indes eifrig damit beschäftigt uralte Ikonen hinter Glas zu küssen. Kloster Sucevita hat sich sehr gelohnt!

Sucevita Klosterkirche mit Wehranlage

Fresken aussen an Kirchen gibt es so nur hier. Und wer mit zu kurzen Hosen  kommt, der bekommt einen Umhang.

Tolle Fresken – Inschriften auf Kyrillisch

Weiter geht es mitten hinein in die Nordostkarpaten. Ich liebe diese ursprüngliche Landschaft mit ihren pittoresken Dörfern, den Wiesen und Almen. Das Heumanderl ist hier noch überall zu sehen. Ich bin mal wieder naiv genug, um mich zu fragen, warum die Menschen von hier abhauen, um in Leverkusen als Servicekraft an einer Tankstelle zu arbeiten – und diskutiere diese Frage natürlich ausgiebig mit Aga, die die Leute wiederum gut versteht.

 

Klassische Karpartenlandschaft

 

Eigentlich wollen wir noch einen Campingplatz im Ceahlau Gebirge erreichen, doch hinter Campulung Molovenesc schickt mich das Navi auf eine längst gesperrte, alte Forststrasse durch das Rarau Gebirge. Ein Betomischerfahrer hält uns mitten im Wald auf und meint, wir sollten doch besser im Kloster weiter oebn am Berg, aber gleich in der Nähe einkehren und um Bett und Brot ersuchen. Am Kloster angekommen, erscheinen uns die orthodoxen Mönche doch irgendwie unheimlich und ich überrede Aga, es mit der Forststrasse zu versuchen. Diverse Schilder wollen uns vom Gegenteil überzeugen – pa,h wäre doch gelacht, wenn ich nicht als alter Offroader…Ok, auf knapp 1700 Meter Höhe signalisiert mir die Temparaturanzeige des Autos, dass Gurkensalat so nicht mehr weiterfahren will und kann. Klar, der Wagen ist voll bepackt und die Strasse ist eine von Schlaglöchern durchfurchte Steigung, die ich teils im ersten Gang zu erklimmen versuche. Null Kühlung, mangels Fahrtwind. Wir bleiben stehen, machen den Motor aus. Ich stelle fest, dass der Wagen total überhitzt ist und der Kühler kocht. Ein paar bange Minten fürchte ich um den Zylinderkopf mitten in der Pampa. Und dann sind plötzlich Agnes und Leo verschwunden. Ich laufe die Waldstrasse hinauf und sehe sie nirgends. In meinen Kopf läuft ein Krimi ab: Orthodoxe Mönche führen hier ein Gruselkloster in dem sie kleinen Babies und blonde Frauen gefangen halten und….Hatten wir nicht erst mitten im Wald einen einsamen Mönch getroffen?!

Gurkensalat am Limit auf 1700 Metern in den Karparten

Um es kurz zu machen, eine gute Stunde später biegen wir (also mit Aga und Leo, die einen Erkundungsgang gemacht hatten), nach nur ca. 200 weiteren Höhenmetern und mit frischem Kühlwasser, endlich auf eine normale Strasse ein. Das mit dem Ceahlau wird dann heute nichts mehr, also schlafen wir sehr gut im Tal der Bistrita.

Gegen Mittag kommen wir am nächsten Tag im Ceahlau Gebirge an. Dieser Ort wird von Mythen und Erzählungen umrankt, ist der zweitwichtigste Gebirgstsock der Orthodoxen nach dem Olymp und sieht einfach einladend aus.

Karpatenglühen -Ceahlau im Abendlicht

Wir sind schnell allbekannt auf dem kleinen, privaten Campingplatz, der angenehm wenig mit einem mitteleuropäischen zu tun hat. Sehr enstpannt geht es zu, jeder unterhält sich hier mit jedem und die Leute kommen nach und nach zu uns, um Leo zu „besichtigen“. Eine Oma hat sich besonders in ihn verliebt und lässt uns gar nicht mehr in Ruhe 🙂 Wirklich nett sind die Leute hier, wollen uns Schnaps bringen, versorgen uns mit Essen und Informationen über die Berge (soweit wir die verstehen). Wir bleiben für zwei schöne Nächte – und sind unter den ausschließlich rumänischen Campern, von einem italienischen Motorradfahrer abgesehen, die einzigen Gäste aus dem Ausland.

Camping a la Romania. Sehr beliebt auch bei rumänischen Rentnern.

Die kleine Wäschewanne ist super. Leo badet jetzt jeden Tag wie ein Großer

Eine wirklich schöne Bergwanderung rundet diese Tage ab, bevor wir uns aufmachen ins Donaudelta.

Wandern im Ceahlau (sprich Schachlau)

Unten in der Ebene der Moldau wird es dann wirklich brütend heiss. 41 Grad zeigt ein Thermometer unterwegs an. Zum Glück ist es eine trockene Hitze. In Tecuci, einem wirklich skurillen Ort kurz vor der Donaustadt Galati, übernachten wir in einem ordentlichen Hotel. Jedoch wird dort Hochzeit gefeiert, wie überall sonst auch gerade in Europa. Und so versuchen wir, so gut es geht, uns mit der schrägen Musik unter unserem Zimmer zu arrangieren. Ein Mix aus Bukowina Brass Sound und orientalischen Klängen weckt uns immer wieder auf bzw. hält uns bis um 4:30 Uhr wach – die Stimmung kocht unter uns offenbar über. Gut geschlafen haben wir irgendwie trotzdem.

In Galati wird uns, so wie schon bei der Durchfahrt durch die regionalen Zentren Bacau und Piata Neamt, massiv bewusst, wie rücksichtlos der Diktator Ceacescu seine Städte umgebaut hat, um sie „effizient“ und im Sinne des Kollektivs zu gestalten. Für mich hat das auch nichts mit Soziallismus zu tun, so war Nordkorea das Vorbild für den Irren aus Bukarest und seinen Umbau der Gesellschaft. Das Resulat sind richtig deprimierende Städte, ohne jegliches Gesicht, bedrückend und wenig einladend, mit Industriebrachen drum herum. Es ist einfach extrem häßlich und die Leute die dort leben, tun uns leid. Gottseidank hat er die schönen Städte Siebenbürgens verschont – aber die sehen wir uns auf dieser Reise nicht mehr an…. In Galati überqueren wir die Donau und dringen lagsam in das Delta vor, wo wir vor der langen Fahrt nach Chilia Veche, noch einmal übernachten. Die Landschaft ist erstaunlich abwechslungsreich. Felder, Hügel, Flachland, Magerwiesen mit Eichenbestand. Die Ukraine grüßt auf der anderen Seite und doch –  die Grenze ist hermetisch, es gibt keinen Übergang im gesamten Delta.

Herrliche Wiesen mit Eichen

Landschaft auf dem Weg ins Donaudelta

Hier nisten die Störche noch wo sie wollen, wenn auch unter Lebensgefahr

Die Szenen im Dorf sind auch sehr skurril.

Die Dorfjugend zeigt uns wie man richtig badet

So sieht Urlaub für viele Rumänen aus. Leider sehr vermüllter Strand am Sulina Arm der Donau. Das Wasser war gar nicht mal so übel.

Die Fahrt nach Chilia Veche ist dann ein echtes Abenteuer. Ca. 70 Kilometer auf einer Piste, die zum Teil auf einem Deich verläuft. Wild romatisch wird es langsam, die Flora ist beeindruckend vielfältig. Ich muss dann sogar den Weg freiaxten, da für Gurkensalat kein Durchkommen mehr ist. Unser kleines „Limanul Resort“ ist ein Traum, der erste echte Luxus auf unserer Reise. Die Besitzerin Anca hat die Häuser mit natürlichen Materialien aus dem Delta nach traditioneller Art bauen lassen. Sie sind liebevoll ausgestattet und die Küche verwöhnt mit Fisch aus der Donau und den Obst und Gemüse aus umliegeden Gärten. Ich bin total begeistert. Morgens kräht der Hahn, halbwilde Pferde baden in der Donau. Die Zeit steht still….Am allerbesten: Leo liebt den Pool und das Baden!

Chilia Veche – unsere Heimat für die nächsten vier Tage

Wo sind die Schafe?

Halbwilde Pferde beim Baden im Chilia Arm der Donau

Aga – am Ende der Welt?

2 Gedanken zu “Stufe 6 1763-2582Km Rumänien, Sucevita, Ceahlau Gebirge, Donaudelta Teil 1

  1. Hallo ihr drei (fast) am Ende der Welt,
    schön es zu erfahren, dass es euch gut geht.
    Eure Bilder und von euch beschriebene Erlebnisse… phantastisch !!!
    …weiter so.

    Grüße aus Krefeld

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.