Stufe 8 2771-3092Km Bulgarien: Durankulak und Kranewo

So, heute sind wir einen Monat unterwegs. Ich hatte bisher noch keine Sekunde Heimweh oder viele Gedanken an die Heimat an sich, außer an meine großen Kinder daheim. Das ist sicher ein sehr gutes Zeichen auf einer langen Reise. Leo ist jetzt richtig im Reisen angekommen. Es ist also tatsächlich so, dass kleine Kinder da ganz unglaublich anpassungsfähig sind. In den ersten zwei Wochen hat er bei Ortswechseln, besonders beim Einschlafen, noch skeptisch die neue Umgebung gemustert und war offensichtlich ein bisschen nervös.

Wohliger Mittagsschlaf in den Karpaten

Mittlerweile schläft er ganz einfach überall ein. Besonders gut schläft er natürlich in unserem Camper Gurkensalat. Aber auch gestern am Strand hat er zwei Stunden bei heftigstem Wind und diversen Hintergrundgeräuschen (Kindergeschrei, laute Musik, Wellen) bestens windgeschützt auf seiner Decke im Sand geschlafen. Der Gedanke, dass wir dem Kind etwas „antun“, ist komplett gewichen. Im Gegenteil. Er entwickelt sich ganz toll, brabbbelt viel, fängt langsam an zu robben und flirtet mit jeder Frau in der Umgebung, seien es bulgarische Putzfrauen oder hübsche Russinnen in Restaurants.

Die vier Wochen sind nicht wie im Fluge vergangen, sie waren einfach so lange wie sie sind. Ich denke, auch das ist ein gutes Zeichen. Ebenso weiß ich nie, welcher Wochentag eigentlich ist, das ist eindeutig großartig! Finanziell sieht es auch ganz gut aus. Wir liegen im Budget, obwohl wir doch deutlich weniger (wild) campen als ursprünglich geplant. Aber bisher waren die Unterkünfte – bis auf das Limanul Resort im Donaudelta – immer günstig und fast immer auch gut. Dass wir deutlich weniger campen ist auch der Tatsache geschuldet, dass wir jetzt doch nach reiflicher Überlegung unsere Reiseroute angepasst haben.

Denn heute würden wir nach ursprünglicher Planung auf dem Schwarzen Meer sein und in Richtung Georgien schippern. Warum nicht? Die Reise bisher hat ganz klar gezeigt, dass zwei Stunden vormittags im Auto und zwei am Nachmittag mit Leo eigentlich die Maximaldosis sind. Wird es länger, wird es schwierig mit ihm. Er ist dann konstant am nölen und hat überhaupt keine Freude am Fahren – wir dann auch nicht. Die Route zurück aus dem Kaukasus durch die Türkei hätte uns in diesem Reisemodus mindestens eine Woche gekostet. Das wäre kein Thema gewesen, hätten wir in der Türkei einfach gemütlich reisen und erkunden wollen. Wollten wir aber nicht. Wir wollten nur husch durch (die politische Lage). Also wurde der Kaukasus geopfert. Das ist wirklich sehr, sehr schade und wird nachgeholt! Im Kaukasus wollten wir eigentlich nur frei stehen und viel Geld sparen. Auf unserer aktuellen Route ist dies nur bedingt möglich aufgrund höherer Bevölkerungsdichte und mangelnder Optionen.

Zu gerne wäre ich wenigstens noch nach Odessa gefahren, doch mit insgesamt vier Grenzübergängen und 400 Kilometer Strecke auf der desolaten M15 in der Ukraine – einer der schlimmsten Strassen Europas, hätte uns der kurze Ausflug vier Tage im Auto gekostet. Leider auch gestrichen. So war Chilia Veche voraussichtlich der östlichste Punkt auf unserer Reise – immerhin östlicher als Konstantinopel.

On the road again..

So sind wir jetzt in Bulgarien, auch ein vielfältiges und widersprüchliches Land, wie die meisten post-sozialistischen Staaten. Der kleine Campingplatz am Traumstrand im Dorf Durakulak direkt hinter der Grenze ist symptomatisch. Der Traumstrand ist ca. 8 Kilometer lang, sogar gepflegt. Es ist ein wunderschöner Naturstrand mit wirklich sauberem Wasser und nur wenigen Badegästen. Im Hintergrund das Biosphärenreservat des Durankulak-Sees, das ist schon eine tolle Landschaft.

Osmanischer Leuchtturm am Kap Schabla

Durankulak Strand – herrlich unverbaut.

Stillleben mit Space Age Chair am Strand, passend zum Namen des Camping „Kosmos“

Das Ganze ist die Dobrudscha, eine Stepppenlandschaft, die im Sommer sehr heiß und trocken, im Winter sehr kalt und von Stürmen gepeitscht ist.

Pferd am Campingplatz in Durankulak – typische Dobrudscha Landschaft. Jemand Lust auf Basketball?

Auch der Campingplatz selber ist wirklich nicht übel. Unter Schatten spendenden Silberpappeln befinden sich schöne Stellplätze und die alten Holzhütten des ehemaligen tschechoslowakischen Ferienwerkes passen da gut hinein. Aber die Betreiber haben offenbar auf gar nichts Bock, außer Geld aus der alten, modernden Infrastruktur zu ziehen. Und so gammelt das toll gelegene Restaurant ebenso vor sich hin, wie die desolaten Toiletten und Duschen.

Sieht irgendwie herbstlich aus. Da hatten wir auch unseren bisher einzigen bewölkten Tag. Camping „Kosmos“

Lange vergangene Zeiten lassen grüssen – sollte man meinen… Die heutige Infrastruktur auf dem Camping Kosmos ist nicht viel besser.

Das war sogar vor dreißig Jahren besser – die ehemaligen Rudelduschen im Camping „Kosmos“.

Das Benützen dieser ist mehr als grenzwertig. Wirklich schade, denn das Ganze hat so viel Potential und der Strand kann wegen des Naturschutzgebietes auch nicht zugebaut werden.

Nach zwei Tagen zogen wir weiter und sind jetzt in Kranevo, wo wir mal ein einfaches Ferienhotel testen. Auch sehr vielseitig…sauber, ordentlich, einfach, toller Blick, ordentliches Frühstück – wir unter fast ausschließlich osteuropäischen Familien, lustig! ABER, das Personal ist wirklich der Hammer. Die Dame am Empfang schaute uns beim Reinkommen an, als hätten wir Mayonnaise im Gesicht. Und daran hat sich bis heute nichts geändert, nur die Putzfrauen sind herzig. Ich verstehe das überhaupt nicht. Wie kann man am Empfang nur besch…Personal einsetzen? Das zieht die ganze, sonst sehr, sehr ordentliche Vorstellung des Hotels komplett durch den Kakao.

Endlich mal – klassisches Entspannen am Strand.

Kranevo Strand

Lange Strandspaziergänge runden die Faulenzerei ab

Der Strand von Kranevo ist super, sauber und eine gute Infrastruktur ist vorhanden. Schöne Spaziergänge bis Albena, dem früheren Vorzeigebadeort des sozialistischen Bulgarien, sind möglich und führen über einen wilden FKK Strand. Kranewo – das kann man machen!

Leo hat sich zur Wasserratte entwickelt – aber die hohen Wellen an diesem Tag sind dann doch zu hoch und die Geräuschkulisse zu bedrohlich. Aus sicherer Entfernung übt sich jedoch früh, wer später mal ein Beachboy werden will.

Das Schönste – Babyglück am Strand

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