Elternzeit und ein Roadtrip mit Baby–bescheuert?

Schon seit dem Zeitpukt an dem wir wussten, dass wir Nachwuchs haben möchten, kam auch der Gedanke ins Spiel, die dann möglich werdende Elternzeit zu sinnvoll und erfüllend zu nutzten. Da es sich hier um einen Reisebericht handelt möchte ich gar nicht über das Für- und wieder der teilwiese auch noch stattlichen alimentierten Elternzeit diskutieren. Es ist jedenfalls toll dass dies ermöglicht wird. Die postiven Effekte sind ja durch den “Babyboom” in Deutschland spürbar. Auch ganz klar ist, wir profieren extrem von den Regelungen zu Elternzeit- und Geld. Und ja, wir machen Urlaub mit Steuergeldern, die wir aber auch schon zusammen seit mindestens drei Jahrzehnten brav einzahlen – fertig.

Für mich gab es eigentlich nur zwei Alternativen diese Zeiz für uns bestmöglich zu gestalten:

  • Sechs Monate auf einer einsamen Hütte im Gebirge. Nun, ein Traum für mich – kein Handy, keine Computer, kein Konsum….nur Berge, Aga und Leo, wie herrlich. Aber wir sind eine Familie und jeder soll glücklich werden und vielleicht bin auch auch noch zu jung für die Askese. Aga liebt Reisen – wir gehen also Reisen.
  • Roadtrip to anywhere, mindestens 3 Monate, abseits der großen Routen und Touristenströme (Arbeitstitel war mal Mongolei – zu viel Strecke, zu viel Zeit im Auto)

Es ist also der Roadtrip geworden. Fast vier Monate in einem (wenn auch großen) Auto mit Baby. Wie kann das funktionieren? Was ist gut daran, was ist nicht so gut, gibt es Risiken?

Ich bin bereits mit meinen zwei älteren Söhnen, als sie noch klein waren, durch Asien gereist und seitdem weiß ich, kleine Kinder öffen Türen und Herzen. Man wird in Schlagen nach vorne gelassen, die Grenzkontrolle flutscht, der Grenzer lächelt, die Marktfrau schenkt dem Kleinen Hühnerschenkel etc. Es ist also in jedem Fall ein Vorteil ein kleines Kind auf dem Arm zu haben.

Dies freilich nur die Sicht des Erwachsenen, aber was ist mit dem Kind? Was meine älteren Söhne anbettriftt…ok, die waren damals schon aus dem Babyalter, haben sie noch Jahre später über die Reise geredet um um baldigste Wiederholgung gebettelt. Kinder passen sich schneller an ihre Umegbung an, haben sehr viel geringere Anprüche (z.B. an Unterkünfte) und sind mit fast immer happy wenn es Wasser, Tiere, Berge, Abwechslung gibt.

Es gibt einige wenige Blogs die sich mit dem Langzeitreisen mit Kinder und Babys befassen, so z.b: http://thefamilywithoutborders.com/our-last-trip-around-the-black-sea-2011-01-15/  Der Tenor ist grundsätzlich “machen” und auch teilweise, dass es mit Babies natürlich einfacher ist, da diese noch viel schlafen, weniger anspruchsvoll sind beim Essen etc. Das Thema war also relativ schnell abgehakt – man kann und darf (und soll ?) mit kleinen Kindern reisen.

Wie steht es mit der Verantwortung der Eltern und den damit einhergehenden Faktoren wie Essen, Hygiene, medizinische Versorgung, langes Sitzen im Auto, Kriminalität, etc?

    • Essen: Aga stillt noch und möchte auch auf der Reise noch stillen – ein Reisenvorteil. Dennoch werden wir langsam mit dem Zufüttern beginnen. Da wir ja eine Küche dabei haben wird also regelmäßg gekocht werden. Die Zutaten gibt es überall östlich von Wien frisch am Strassenrand für wenig Geld und 100% Bio aus Omas Garten. Besser geht es eigentlich nicht. Man hilft der Subsistienzwirtschaft und nebenbei sind die Sachen sehr, sehr lecker. Spätestens in Georgien sogar von einem Geschmacksfülle die ich aus Europa vorher noch gar nicht kannte. Klar, den Brei für Leo muss man Stampfen oder mixen – allen in allem kein Problem also.

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  • Gesundheit: Nun eigentlich gilt das ja für uns alle drei, wir wollen gesund bleiben und diese Reise in vollen Zügen geniessen. Die Grundbedigungen hierfür simd hervorrragend. Wir müssen nicht arbeiten, es wird warm sein, wir können und werden uns gesund ernähren, wir bleiben im Großen und Ganzen Menschenmassen fern – nicht einmal eine erklätungsfördernde Klimaanlage haben wir.  Aber bei dem, was wir vor uns haben,  auch heiß, dann doch manchmal stressig, schmutzig und nicht immer beqeuem sein. Das Essen wird schon in Rumänien ein bisschen exotischer und die hygienischen Bedigungen sind andere als wir es aus Bayern kennen.                                                                                   Was uns Erwachsene anbetrifft, so wird es halt hier und da mal Verdauungsbeschwerden geben, wir werden über die Hitze fluchen und Aga wird ein Waschbedürfnis haben. Aber richtig krank werden werden wir eher nicht. Leo, ja der wird gestillt und während ich diese Zeilen schreibe ist er zum ersten Mal krank in seinem kurzen Leben, trotz Welpenschutz – ich habe ihn angesteckt mit meinem blöden Husten der aus dem Nichts kam. Babies sind meistens kurz aber heftig krank und meistens kann man nicht viel machen ausser Ruhe und Liebe geben. Sollte er also krank werden werden wir einen Gang zurück schalten and Ort und Stelle bleiben und ihn schonen. Zudem habe ich auf meinen vielen Consulting Einsätzen folgendes geleernt: Wo immer auch Du bist es gibt immer eine vernünftige medizinische Versorung (ausser in Krisengebieten) wenn Du in der glücklichen Lage bist bezahlen zu können. Hier ist die Kreditkarte dein Freund und Helfer. Als Backup bleibt nur jedem Reisenden zu empfehlen eine passende Auslandskrakenversichung abzuschliessen. Unsere z.B gilt nur für 90Tage. Da sind wir aber schon zurück in der EU – in welcher wir eh versichert sind. Es gibt weiter so einige interessante Tiere beginnend mit Bären in Rumäninen, in Armenien ist das schon der syrische Braunbär (der ist nicht so lustig), giftige Schlagen und anderes Kreuchs und Fleuchs. Aber ok was solls, die leben da halt – hohe Schuhe an, kein Essen draussen lagern, die wichtigsten Verhaltensregeln im Kopf haben wenn man Bären trifft und fertig. Somit gilt meine einzige Angst der körperlichen Unversehrtheit des Kleinen und den
  • äußeren Risiken währen der Reise: Diese sind überschaubar. Ich habe ja die Abwägung von Risiken auch in die Planung der Reiseroute mit einfliessen lassen. Krisenländer werden gemieden, oder deren kritische Regionen (Donbas, Adscharien, Berg-Karabach, Süd-Ost Anatolien, Grosstädte in der Türkei). Nicht zu 100% schützen kann man sich vor dem größten und einzigen wirklichen Punkt den ich wirklich als Risiko gelten lasse: Verkehrsunfall. In der Ukraine sind die Strassen zu schlecht um zu Rasen, aber die Rumänen fahren wie die Henker und ich habe dort viele unschöne Unfälle gesehen. Im Kaukasus wiederum fährt man ziemlich erratisch, aber im Großen und Ganzen lansam und vor allem ist die Verkehrsdichte herrlich gering. Was uns mitten drin anbetrifft heisst die Devise: Fair, langsam und gelassen. Mit dem Gurkensalat fährt man am besten 90 Km/h, nicht mehr als 250 Kilometer pro Tag und nur wenn man sich danach fühlt. Wir haben soooo viel Zeit – kein Streß ist gleich vermindertes Risiko und sowieso das oberste Ziel der Reise. Das Sichern des Kindes ist übrigens so ein Punkt für sich. Der Gurkensalat hat hinten zwei oldschool Zweipunktgurte. Keiner der namhaften Hersteller hat noch Sitze im Program die für Zweipunktgurte zertifiziert sind. Man muss also bei Ebay versuchen die entsprechenden Modelle in gutem Zustand zu finden. In unserm Falle ist das ein Maxi Cosi Priori. Das Modell hat seinerzeit gute Testresultate gehabt und macht einen guten Eindruck. Ein Restrisiko – oh Wunder – bleibt. Wir nehmen es in Kauf und hoffen auf unser gutes Karma und die Götter.

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  • Leo bestimmt den Rhytmus:  Wen wir schon  unserem Kleinen diese Reise ermöglichen, andere würden sagen aufzwingen, so gilt ab hier und jetzt, dass der Rhytmus von ihm abhängt. Wann wir Rasten, Fahren, Schlafen, Baden , Essen, Wandern….es wird von ihm abhägen, von seinen Bedürfnissen, Stimmungen und Befindlichkeiten. Ich glaube das ist sicher eine der Chancen und Grundideen der Elternzeit, eng mit dem Kind zu verwachsen, zu lernen ihn zu verstehen obwohl er noch nicht spricht und eins zu werden – und vor allem dem Urvertauen zu entsprechen. Da können wir nur lernen und diese Reise wird uns das erst ermöglichen. Hätten wir uns für Job und Kinderkrippe entschieden gäbe es das in dieser Form und Intensität sicher nicht.
  • Versicherungen: Ich will hier keine Werbung machen, weder für die von mir ungeliebten Versicherungsunternehen geschweige denn für eine noch viel ungeliebtere Kreditkartengebende Bank. Aber man kommt ja nicht darum herum. Wir sind durch die Kreditkarte weltweit 90 Tage krankenversichert und können mit ihr ebenso weltweit kostenfrei zahlen und Geld abheben. Prima ist, dass die Karten (4 Stück !) im ersten Jahr nichts kosten….Zudem sind wir noch bei der ADAC Alternative “Mobil in Deutschland”, welche als einer der wenigen Automobilclubs einen weltweiten Service anbietet zum Thema Pannenhilfe, Ersatzteilbeschaffung etc. Wie sich deratiges dann, z.B. in Armenien gestaltet….möchte ich eigentlich nicht ausprobieren
  • Ich will endlich los !!!!

Unser Expeditionsmobil–Gurkensalat

Nun, zuerst einmal musste ich bald in diversen einschlägigen Blogs und Foren herausfinden, dass so ein treuer Begleiter mit dem und in dem man soviel Zeit verbringt einen Namen braucht und fast immer auch hat.

Die meisten dieser Gefährte haben interessanterweise  Namen von männlichen Hunden oder andere seltsame Kosenamen. Da findet sich ein Bonzo und ein Kuno, der Hektor, der Raul und dann noch Knubbel, Dicker und Moppel. Weibliche Namen scheinen nicht in Mode zu sein. Insgesamt musste ich hier schon ziemlich oft schmunzeln und natürlich habe ich mich auch gefragt, ob das etwas typisch deutsches ist dem Auto einen Namen zu geben.  Doch andererseits sind die Reisenden deren Blogs ich mir ageschaut habe der Deutschtümelei eher absolut uverdächtig. Es muss also Liebe sein und Verbundenheit, vielleicht auch Abgerglaube. Alles nette Eigenschaften die mir gefallen und dennoch….nein ich kann unseren Wagen einfach nicht Alfonso oder Luigi nennen.

Es muss schon etwas Beklopptes her, etwas mir postiver Konnotation und dennoch irgendwie nichts zu Ernstes und Sperriges. Der Transit wurde schon vor dem Abholen getauft und jeden Tag den die Abholung näher kam umso öfter kam der Name schon über unsere Lippen: Gurkensalat so heisst er !

Ein schöner wohklingender Name der….nun gut zum Auto:

Ursprünglich wollte ich eigentlich unseren Grand Cherokee ausbauen und mit einer Schlafgelegenheit für diese Reise ertüchtigen. Doch schon bei der letztjährigen Transkarpatentour auf der ich alleine im Wagen war und unserem Pärchentrip auf die Fusion 2016 ist mir aufgefallen, dass der Wagen zwar tolle Geländefähigkeiten hat, jedoch innen wenig Platz bietet. Schlafen zu zweit ist noch ok, aber wenn dann noch massenhaft Equipment dazu kommt ist es vorbei. Oder wenn es, wie auf der Fusion passiert, plötzlich zu regnen beginnt, stopft man die nassen Sachen hektisch in das Auto und da sitzt man dann drauf. Von Kochen und Schlafen kannn da gar nicht mehr die Rede sein.

Also gut ein Auto mit Platz muss her – Wohnmobil oder Camper. Am besten geländetauglich….was das Budget ist nur 8000€? Da fehlen wohl 50000€. Also streichen wir das geländetauglich und ersetzen es mit “hochbeinig” oder bedingt geländetauglich, wenn der Fahrer was kann Winking smile.

Meine Anforderungen also:

  • Saugdiesel
  • Wenig, ganz wenig Technik
  • 3 Schlafplätze
  • Kochgelegenehit
  • Kühlschrank
  • Ausreichend Zuladung
  • Technisch ok bis gut

Der Markt ist sehr übersichtlich. Gnadenlos überteuerte VW T3 bis T4 die mit ihren mehr oder weniger robusten Diesemotoren alle irgendwie 500-700.000 Km auf die Uhr geschafft haben sollen also mindestens 12000€ Euro kosten. Wirklich ???? Wer kauft sowas…ich nicht! Der einzige Motor dem ich da über den Weg traue ist eh der 77PS 2,4 Liter Fünfzylinder. Dann darf man aber auch noch Geld in die verratzte Innenaustattung und die nicht funktionierenden Geräte stecken in der Generationen von Surfern und Dauerreisenden “gebastelt”, gerastet, geliebt und was weiss ich noch alles haben. Dann gibt es noch die untermotorisierten Ducatos und Peugeots, Citroen etc. Leider rosten die wie verrückt und haben meist nicht mal 70 PS

Ich habe also meinen Suchalgorythmus bei Ebay Kleinazeigen auf Wohnmobil bis BJ 1995, Marke egal, Preis bis €8000 konfiguriert und da kamen immerhin 2 Fahrzeuge bei raus. Der Ford Transit wurde sofort und ohne Umschweife bei der Besichtigung in der Oberpfalz gekauft. Ein Traumobjekt aus zweiter Hand. Beide Hände wahren pflegliche Spießer (ich liebe sie!) die den Wagen behandelt haben wie den eigenen Jagddackel. Nie im Winter gefahren, ein Scheckheft voller Stempel, dazu ein Ordner mit Bedienungsanleitungen, Dokumentation etc. Von innen sieht der Wagen fast aus, als wäre er gerade frisch vom Messestand bei EuraMobil gekauft worden – siehe Fotos. Alles, aber auch wirklich alles fuktioniert innen, keine Basteleien, kein Dreck – einTraum! Dazu kommt noch der ausreichend kräftige und eigentlich unkaputtbare 2,5 Liter 80PS Saugdiesel von Ford der auf der Heimfahrt bei konstant 110 Km/h 9,5 Liter verbrauchte. Diser Ford Transit erfreut sich in der Hälfte der avisierten Länder eines zweiten oder drittens Lebens also sogennennte Marschrutka (Minibus im öffentlichen Verkehr) und kann von jedem Schäfer am Strassenrand mit einem Schraubenzieher repariert werden (oder so ähnlich).

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Für 4400€ gehörte Gurkensalat uns. Jetzt kriegt er aktuell noch eine ordenliche Inspektion, neue Reifen und frisches Öl. Gedankenspiele ihn noch weiter fürs Geläde zu ertüchtigen habe ich fallen lassen. Im Kaukasus wird er einige haarstäubende Strecken meistern müssen, jedoch handelt es sich meist um Gebirgswege die höchstens mal mit Furten oder tiefen Löchern aufwarten. Der Hecktiebler gilt als gutmütig auf schlechten Wegen. Für die schlimmsten Situationen kommen noch zwei günstig ersteigerte Sandbleche mit an Bord.

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Da fällt mir ein dass ich vor Jahren mal einen Blog gelesen habe, wo einer Transafrika mit eben diesem Transit gefahren ist….und das ging auch!

Nun soviel zum Auto, soviel zu Gurkensalat – vorerst

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