Stufe 10 3482-4780 Km Griechenland Chalkidiki, Pelion, Peloponnes

Wir sind schon seit zwei Wochen in Griechenland, so ist es wirklich höchste Zeit für ein  Update. Die Tatsache, dass wir nicht viel geschrieben haben, ist wohl auch dem Umstand geschuldet, dass wir nun einen anderen Reisemodus gefunden haben. Unsere Aufenthalte an einem Ort sind deutlich länger geworden und die Reise ist momentan ins Urlauben und Relaxen gekippt. Mit einer Ausnahme – dies waren unsere drei Tage in Athen – hierzu später.

Nach der Überquerung der kleinen Grenze bei Slatograd, mitten in den Rhodopen, kommt erst mal ziemlich lange keine Zivilisation, außer vielenTabakfeldern und einzelnen kleinen Dörfern. Die Menschen kleiden sich und sehen exakt so aus, wie auf der bulgarischen Seite. Es ist eine muslimische Minderheit, die hier lebt: die Pomaken. Und es ist umstritten, ob es sich nun um muslimische Slaven, ursprüngliche Osmanen oder Hellenen handelt. Jedenfalls sieht man eine ganze Zeit lang viele Moscheen und Frauen mit Kopftüchern auf Mopeds. Das ist etwas, was wir in Griechenland in der Form gar nicht erwartet hatten.

Unser Ziel ist der „mittlere Finger“ der Chalkidiki-Halbinsel, da dieser angeblich nicht so touristisch ist. Und tatsächlich: Auf dem kleinen Campingplatz Akti Oneirou geht es ziemlich entspannt zu. Die Gäste setzen sich zusammen aus 50 Prozent Rumänen und Bulgaren. Die anderen 50 Prozent sind ziemlich feierselige, dauercampende Griechen, die uns sofort auf Bier und Grillerei einladen wollen. Übriges: Vor zehn Uhr morgens, das stellten wir in den Folgetagen fest, sieht man hier keinen Menschen auf den Beinen. Strand und Wasser sind traumhaft und so bleiben wir vier Nächte und machen….nichts. Nein, das stimmt nicht ganz – Leo kann jetzt sitzen und hat dabei eine ganz neue Perspektive und eine Menge Spaß.

Unserse kleine Bucht Akti Oneirou auf Chalkidiki – der Berg Athos hinten im Nebel

Die Familie und der Held der Reise im Hintergrund – kein klein bisschen Ärger bisher mit dem Auto !

Auf der Weiterfahrt in Richtung der Pelion-Halbinsel bei Volos mache ich erstmals Bekanntschaft mit dem unverschämten System der griechischen Autobahngebühren. Diese sind total fair, wenn, ja wenn das Auto niedriger als 2,20 Meter ist. Das Gewicht (welches ja eigentlich ausschlaggebend ist für die Abnutzung) interessiert nicht. Gurkensalat ist 2,70 Meter hoch und so zahlen wir so viel wie ein ausgewachsener Reisebus! Für 200 Kilometer gehen so knapp 30 Euro drauf, da reicht es mir und ich wechsele auf die stille und ordentliche Landstraße.

Die Pelion-Halbinsel ist ein klassischer mediterraner Traum. Hohe Berge im Hinterland mit tollen Wandermöglichkeiten auf uralten, gepflasterten Versorgungswegen, quasi Eselspfaden, die die ganze Halbinsel durchziehen. Romantische Bergdörfer kleben an den Hängen, wie auch die „Gleise“ einer kleinen, alten Schmalspurbahn oberhalb des Meeres. Mit der Pelion Bahn fahren wir dann auch eines schönen Tages, um dann wieder ins Tal zu wandern. Die Strände auf der Lagunenseite sind ideal für Kinder, flach, kaum Brandung. Unser Campingplatz in Kala Nera ist allerdings relativ fest in deutscher Hand. Dennoch – richtig heftig touristisch ist es hier auch nicht. Wir bleiben sechs Tage zum Baden, Wandern, Erleben.

Pelion-Halbinsel: Malerisch schön, Griechenland wie im Bilderbuch.

Unsere Fahrt mit der Pelion Eisenbahn

Blick aufs Meer aus der Eisenbahn

Nicht schwindelerregend aber schön – die Fahrt mit der Pelion Bahn

Leos aktuelle Entwicklung ist auch Gelegenheit, mal wieder auf das eigentliche Sujet dieses Blog, nämlich das Reisen mit Baby zurück zu kommen und auf die Frage, ob das überhaupt gut für das Kind sei. Seit Kala Nera robbt Leo, was das Zeug hält. Er hat jetzt einen gewaltigen Sprung gemacht. Seitdem er sitzen kann, spielt er öfter längere Zeit im Sitzen mit seinen Siebensachen und ist richtig aktiv – sprachlich, körperlich und auch im Austausch mit uns. Seit ein paar Tagen imitiert er uns, wenn wir ihm etwas vormachen, es ist eine herrliche Zeit mit ihm.

Wir sind dann weiter nach Athen, dieser Stadt jedoch möchte ich ein eigenes Kapitel widmen, denn das ist sie wert.

Seit gestern sind wir nun auf der Ostseite des Peloponnes, auf einem extrem entspannten Campingplatz im Klettereldorado Leonidio, was mir gar nicht bekannt war. Aber die vielen Felsen um uns herum sagen eigentlich alles. Die Ostseite der Halbinsel scheint noch vergleichsweise ruhig zu sein. Die wunderschöne Küstenstrasse von Norden in Richtung Monemvasia wird nur vereinzelt durch kleine Ortschaften unterbrochen. Offenbar ist es den Leuten zu abgelegen hier. Die schönen wilden Strände sind oft menschenleer.

Unser Strand in Plaka/Leonidio

Liegt es an den Kletterern oder an den Griechen hier? Dieser Platz, also Camping Semeli hat uns sofort willkommen geheißen mit seiner völlig entspannten Atmosphäre ausgehend vom Besitzer bis zu den Gästen. Hier ist offenbar auch der Hotpsot für langzeitreisende Elternzeitler. Denn wir treffen zwei weitere Paare mit ihren Kindern. Die einen sind in einem T3 mit Aufstelldach 2 Monate unterwegs durch Hellas, die anderen schon zum zweiten Male mit dem zweiten Kind für einen Monat in Griechenland. Erst hat mich das gewundert, aber eigentlich ist Griechenland als Elternzeit-Destination mit Camper nur logisch. Man will außerhalb der Saison fahren, um Geld zu sparen und es soll natürlich noch warm sein – da kommt eigentlich, wenn es nicht zu exotisch sein soll, nur Griechenland in Frage oder Spanien. Jedoch ist die Anreise nach Griechenland auch unvergleichlich viel relaxter durch die Fähre als die 2300 Kilometer bis nach Andalusien auf der Autobahn.

Die Bucht bei Leonidio

Im einsamen Hochland des Peloponnes

Karst und mediterraner Bewuchs im Hochland

Noch ein paar praktische Tips:

Wer die hohe Autobahngebühr scheut: Wir haben die Gebirgspassagen auf der Autobahn gemacht und sind im Flachland die oft parallel oder sonstwie günstig verlaufende Landstraße gefahren. Die Landstrassen sind nicht wirklich voll, man kommt gut voran und spart eine Menge Geld. Nebenbei sieht man natürlich mehr von Land und Leuten

Die Dieselpreise in Griechenland unterliegen einer extremen Bandbreite. Aktuell zwischen ca. 1,11€ und 1,35€ – wobei die Tankstellen manchmal nur ein paar hundert Meter auseinander liegen. Die günstigen Tankstellen sind aber rar. Es gibt die hilfreiche App fuelGR zum Auffinden billiger Tankstellen, welche ich mir runtergeladen, und daher schon viel Geld gespart habe.

Einkaufen: Es ist wirklich schwierig. Die Preise in griechischen Supermärkten sind wirklich derart spürbar höher als bei uns, dass man jedes Mal geschockt ist, wenn man für den fast leeren Einkaufswagen knapp 50€ hinblättert – für Grundnahrungsmittel! So landet man zwangläufig irgendwann beim deutschen Discounter Lidl. Der ist auch nicht billig, aber günstiger. Allein das Problem ist, dass ca. 50 Prozent der Waren aus Deutschland kommen und das gute Geld der Griechen so wieder nach Deutschland abfließt. So werden die ihre Schulden nie los! Es muss jeder selber wissen, wo er einkauft und natürlich will man die heimische Wirtschaft unterstützen, aber die Preise sind einfach heftig…

 

Zum Abschluss noch ein kurzer Exkurs zu griechischen Wörtern im deutschen Sprachgebrauch: Wenn man so durch Griechenland fährt, entdeckt man ständig Ortsnamen, Begriffe oder Wörter, die uns täglich in Deutschland begegnen. Ja, natürlich war und ist uns klar, dass wir uns von den Griechen und den „Lateinern“ so vieles abgeschaut haben, aber wenn man das hier dann „live“ sieht, dann ist man an dieser Tatsache so nah dran. Einfach mitten drin. Hier eine Liste unserer linguistischen Begegnungen:

In Korinth dachten wir an die, die diese kack…

In Sparta kamen uns entsprechende Wohnverhältnisse in den Sinn,

in Lakonien die Bemerkungen.

In der Nähe von Delfi setzten wir uns mit dem Orakeln auseinander – und somit auch mit Ödipus und Krösus, denen berühmte Orakelsprüche galten.

Autobahnausfahrten und Ausgänge heissen „Exodus“.

Es wird Zeit, dass wir mal auf die Sporaden schauen…

Agrar ist oft auf Lebensmitteln zu lesen…

To be continued;-)

 

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